Mit der Lotte segelt das em2 Team Rund Rügen- SailGP Germany in Sassnitz 2025
ein Reisebericht von Ingo Müller
Termin: Rund Rügen mit der Lotte Do 14.-Di 19.8.
Sail GP Training 15.8., Rennen 1-4 16.8., Rennen 5-7 17.8. Finale 17.7.

das Australische Team, SailGP Sassnitz 2025 Foto TB Media
Am Donnerstag Vormittag startet das em2 Team, Bert und Ingo in der Marina Neuhof, Heimathafen der Lotte. Wir wollten pünktlich zur Bückenöffnung der Ziegelgrabenbrücke in Stralsund um 12:00 Uhr sein. Nach deren Durchquerung fuhren wir am Stralsunder Stadthafen vorbei, um vor dem Strandbad in Stralsund zu ankern und auf Jule zu warten, deren Dienst im Stralsunder Klinikum bis 16.00 Uhr ging. Bert ist mit einem SUP an den Strand gepaddelt und hat Jules Sachen in eine wasserdichten Packsack gesteckt, Jule aufs Bord gesetzt und gesagt: „paddle zur Lotte“. Das war nicht leicht, denn es herrschten 4 Bft Wind auflandig und Jule musste dagegen anpaddeln, Bert ist hinterher geschwommen. Dann sind wir mit dem schönen Amwind Kurs über den Kubitzer Bodden Richtung Fahrwasser Hiddensee gestartet. Dabei haben wir zum ersten Mal Segel auf der Lotte gesetzt, das war richtig aufregend. Wir hatten ordentlich Wind, inzwischen ca. 5 Bft aus Nordost. Aufregend deshalb, weil es unser allererster Törn mit der Lotte war – wir wollten sie auf unserer Reise um die Insel Rügen ausgiebig testen, denn die Lotte stand zum Verkauf und wir spielten mit dem Gedanken, sie zu erwerben.
Unter Motor liefen wir hinter Hiddensee nach Norden und setzten im Freiwasser hinter Dranske wieder Segel. Inzwischen wehte eine leichte Brise aus Nordwest und so liefen wir mit Motorunterstützung in der Dunkelheit bis hinter die Landzunge von Glowe, wo wir in der Abdeckung ankerten, um zu übernachten.

em2 Team an Bord der Lotte Foto Dirk
Der Tag vor der SailGP
Wir starteten den Freitag mit einem ausgiebigen Frühstück an Deck in der Sonne. Dirk und Anne hatten in der Nähe mit ihrer Jacht Stüm geankert und kamen mit ihrem Sohn Timon zu uns an Bord. Dann ging’s los Richtung Sassnitz. Quer über den Tromper Wiek, raumschots. Der starke Wind der letzten Tage hatte eine ordentliche Dünung aufgebaut und die Lotte schlingerte tüchtig. Das bekam Jule nicht so gut… aber sowie Sassnitz in Sicht kam, ging es ihr schlagartig besser. Bei der Annäherung an den Hafen von Sassnitz ragten schon von Weitem die gewaltigen Masten der F-50 Katamarane des Sail GPs über die Mole. Beim Passieren der Boxengasse fuhren wir ganz dicht an den ankernden Boliden vorbei. Die SailGP Rennserie ist ja quasi die Formel 1 auf dem Wasser und wenn man mit einem Dickschiff wie der Lotte unterwegs ist, entsteht ein krasser Kontrast zwischen Fahrtensegler und Rennmaschine der Superlative. Ganz zu Schweigen von unseren em2 Segelkanus.
Das Training am Freitag hatten wir verpasst, da gab es schon allerhand Aufregung. Die brasilianische Crew hatte bei zu viel Wind auf das große Rigg gesetzt und ihren F-50 bereits bei einem “Nose Diver” zerbrochen, schade. Für sie war das Rennen bereits vor dem Start gelaufen.
Am Samstagmorgen ging es im Hafen von Sassnitz hektisch zu. Die F-50-Boliden wurden aufgeriggt und ankerten im Hafen. Das ist spannend zu beobachten, denn die F-50-Katamarane der Sail GP haben keine herkömmlichen Masten und Segel. Es wird eine Tragfläche mit dem Autokran auf den Katamaran gestellt, die den Vortrieb erzeugt, unterstützt von einem kleinen “echten” Vorsegel. Alle F50 Katamarane sind baugleich, die Crews können lediglich zwischen verschiedenen Rigg- und Flügelgrößen wählen. Dann ging es los. Mit Ribbs wurden die Begrenzungstonnen Start-, Ziel-, und Wendetonnen aus dem Hafen gebracht und positioniert. Die Skipper vieler extra zum Rennen eingereister Yachten warteten im Hafen auf das Signal zum Ablegen, ebenso die em2 Crew und ihre Tagesgäste an Bord. Jeder wollte natürlich einen guten Ankerplatz direkt an der östlichen Seitenlinie des Parcours ergattern. Dabei gab es einiges an Aufregung und Hektik an Bord mancher Boote. Es herrschte Windstärke 4, manche Böen waren heftiger. Das bereitete manchen Skippern Probleme, wenn der Anker nicht hielt und sein Boot in die anderen ankernden Boote hinein abtrieb. Zu Rennbeginn hatten sich alle Boote an der Ankerleine eingependelt, als die die F-50 schon einer nach dem anderen aus den Sassnitzer Hafen gesegelt kamen.

F50 Katamaran des spanischen Teams beim SailGP Saßnitz 2025, Foto TB Media
Gesegelt wurden am ersten Renntag vier Läufe mit jeweils einer kurzen Pause dazwischen. In jedem Lauf wurden zwei Runden um die Wendetonnen absolviert, die Strecke dazwischen betrug etwa 1,5 Seemeilen. Gestartet wurde direkt vor der vollbesetzten Tribüne auf der Mole des Sassnitzer Hafens. Der fliegende Start war bei jedem Lauf ein echtes Spektakel. Die Boote rasen auf den Foils mit atemberaubender Geschwindigkeit los und es bleibt kaum Zeit, Fehler zu korrigieren. Irgendwie hatte das britische Team die Starts insgesamt am besten im Griff, das fand ich beeindruckend. Aber bei diesen Regatten der F-50-Katamarane läuft alles anders als bei Rennen mit Fahrtenseglern oder Jollen. Auf ihren Foils kreuzen die F-50 vor dem Wind und erreichen dabei mehr als die dreifache Windgeschwindigkeit, während andere Boot vor dem Wind mit geblähten Vorsegeln einfach ablaufen und so sich maximal der herrschenden Windgeschwindigkeit annähern können. Die alte Regel „die Regatta wird auf der Kreuz entschieden“ gilt hier einfach nicht mehr. Viele der Läufe wurden Downwind entschieden, dabei spielte es eine wichtige Rolle, welche der beiden Wendetonnen der Skipper des F-50 nahm, um Downwind in die bessere Position für mehr Speed zu gelangen. Bei den Rennen können die Skipper selbst entscheiden, ob sie die Backbord- oder Steuerbord Wendtonne runden. Das brachte viele Überraschungsmomente und das eben noch weit hinten vermutete Boot war plötzlich ganz vorn dabei. In diesem Stil gelang es auch der deutschen Crew, das erste Rennen zu gewinnen. Dafür wurden sie von den Fans frenetisch gefeiert. In einem der nächsten Rennen stellt das Dänische Team einen neuen Geschwindigkeitsrekord für die F-50 auf- 103,96km/h, was für ein Irrsinn. Das deutsche Team mit Skipper Erik Heil stand nach den vier Rennen des ersten Tages auf Platz drei und machte sich Hoffnung auf das Finale.

F50 Katamaran Deutschland, Foto TB Media

F50 Katamaran Italien, Foto TB Media

F50 Katamaran Deutschland, Foto TB Media
Nachdem die Rennen beendet waren, segelten als erstes die F-50 zurück in den Hafen von Sassnitz. Anschließend fuhren die Tonnen, Start-,Ziel-, Wendetonnen und die Parcourbegrenzungstonnen selbstständig in den Hafen zurück. Diese sind GPS gesteuert und halten während der Veranstaltung selbstständig die zugewiesene Position mittels Elektroantrieb. Abends ging im Hafen von Sassniz ordentlich die Post ab. Der erste Sieg des deutschen Teams beim SailGP wurde ordentlich gefeiert. Auch das em2 Team gönnte sich ein paar Bierchen.

Feiern im Piergarten von Sassnitz, Foto Ingo Müller
Am zweiten Renntag, Sonntag, den 17.08.,, gab es drei Rennen und das Finale, in dem die drei punktbesten Teams um den Gesamtsieg in Sassnitz kämpften. Eine Stunde vor dem Rennstart wurde der Parkour noch einmal an die Windrichtung angepasst. Das hatte zur Folge, dass alle an der Seitenlinie ankernden Jachten ihre Anker aufholten und das Rangeln um die besten Ankerplätze direkt an der Seitenlinie des Parcours erneut begann.
Der Sonntag war etwas weniger windig als der Samstag. Das sorgte bei den F-50-Boliden für mancherlei Probleme, vor allem vor dem Start. Der Fallwind von der Steilküste war nicht kontinuierlich, sodass bei mehreren Läufen einige F-50-Katamarane nicht auf die Flügel kamen und vor der Startlinie „verhungerten“, während die anderen schon die Wendetonnen rundeten. Das bekam das deutsche Team auch schmerzlich zu spüren und fiel im Gesamtklassement auf Platz 5 zurück. Wie schade, so platzte der Traum vom Finale.

SailGP Saßnitz 2025 Foto TB Media
Im Finale dieses berauschenden Segelfestes (oder ist das gar kein Segeln mehr, sondern Fliegen?) siegte schließlich Frankreich vor Australien und Großbritannien. Es blieb spannend bis zum letzten Meter.
Nach dem Finale verschwanden die F-50 im Hafen. Jetzt waren die Tonnen dran, genau wie am Vortag wollten sie auch dorthin. Nur leider hatte man vergessen, dass das Rennareal vor dem Start noch mal verlegt wurde und das führte dazu, dass die selbstständig agierenden Tonnen ihren Weg mitten durch das Feld der ankernden Zuschauerboote nahmen. Zum Glück sind es nur „schwimmende Luftballons mit Elektromotor“, die keinen Schaden an den Booten anrichten konnten. Wie verwirrte R2D2’s taumelten sie von einem Boot zum Nächsten. Es war sehr witzig anzusehen.
Anker auf und im Hafen von Sassnitz unsere Besucher abgesetzt, segelten wir, Bert und ich, gleich weiter, um unsere Rügenrunde fortzusetzen. Geflasht von den Eindrücken der Sail-GP-Germany in Sassnitz 2025 gingen wir in Mönchgut vor Anker. Dort trafen wir erneut Anne, Dirk und Timon, um abends in der Fischerklause Mönchsgut lecker Hornfisch zu essen. Der nächste Tag brachte frischen Wind. Das kam uns entgegen, denn wir wollten die Lotte mal ordentlich „auf die Kante legen“. Der Neigungsmesser zeigte 30° und es kam ordentlich Wasser über. Dass die Lotte kein Rennboot ist, war uns klar, denn mehr als 5 Knoten waren nicht drin. Spät am Abend machten wir in Neuhof fest und beendeten die Rügenumrundung mit Stopp in Sassnitz bei der Sail-GP Germany. Während der Umrundung festigte sich der Gedanke zum Kauf der Lotte, was wir inzwischen getan haben. Wer Lust hat, das em2 Team auf einem Törn mit der Lotte zu begleiten: nur zu, kontaktiert uns!








